AHV Geschäftsverlauf 2017

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Die andauernde Niedrigzinslandschaft stellt auch für die AHV eine erhebliche Anforderung dar.

Die politische Nachrichtenlage im Jahr 2017 war u.a. geprägt von Schlagzeilen rund um den neuen US-Präsidenten Trump und dem Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. Außerdem standen die Separationsbestrebungen Kataloniens, die Brexit-Verhandlungen sowie die Wahlen in Frankreich und Deutschland auf der Agenda. Viele Entwicklungen überraschten und beunruhigten. Gleichwohl hatte keines dieser Ereignisse einen nachhaltig negativen Einfluss auf die Wirtschaftslage oder auf die Anlagemärkte.

Nach dem Ausbruch der Kreditkrise grassierte in den Notenbanken die Angst, die Niedriginflation werde in eine Deflation kippen. Es entstünde eine Kombination von fallenden Preisen und sinkenden Einkommen bei enormer Verschuldung. Dies wäre dann die Basis einer selbsttragenden Deflationsspirale.  Zur Verhinderung dieses Szenarios wurde der Preis für Geld, nämlich der Zins, massiv gedrückt und gigantische Geldmengen geschöpft. Diese bewirken nunmehr auch einen Anstieg der Preise für Vermögensanlagen.

Die Wirtschaft boomt und parallel ist quasi kostenfreies Geld reichlich verfügbar. Parallel gibt es keinen Preisanstieg, obwohl die Produktion in den Unternehmen auf Hochtouren läuft und der Arbeitsmarkt, zumindest für Fachkräfte, leergefegt ist. Die Wirkungsketten der jeweiligen volkswirtschaftlichen Standardmodelle, nämlich die Phillips-Kurve (Arbeitskräftemangel bedeutet Lohnerhöhungen, daraus abgeleitet steigt die Inflation) oder der Monetarismus nach Friedman (steigende Geldmenge bewirkt steigende Inflation) funktionieren derzeit nicht. Nach den jeweiligen Lehren müsste die Geldentwertung deutlicher zu spüren sein. Jedoch verfehlen die Notenbanken weiterhin ihr selbst gesetztes Inflationsziel. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kritisiert das durch die Zentralbanken fixierte mittelfristige Teuerungsziel in Höhe von + 2 % jährlich.

Die Inflationsrate dürfte sich aufgrund struktureller Faktoren weiterhin moderat entwickeln. Die große Preistransparenz der Konsumenten durch den Internethandel wirkt begrenzend, während anziehende Mietkosten in den Ballungszentren und höhere Rohstoffpreise erwarten lassen, dass die Talsohle der Inflationsentwicklung durchschritten wurde. Die in 2017 gegenüber dem Vorjahr bereits leicht angestiegene Inflationsrate führte zu einem entsprechend höheren Zinsniveau.

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken ist die Konsequenz aus der andauernden Niedriginflation und dem selbstgesetzten Inflationsziel. Bis zur Zielerreichung ist mit keiner wesentlichen Änderung zu rechnen.

Der deutsche Immobilienmarkt verzeichnete in 2017 Rekordumsätze. In- und ausländische institutionelle Investoren schichteten in den vergangenen Jahren Anlagemittel verstärkt in Grundstücke und Gebäude um.

Die Preise deutscher Wohnimmobilien traten gut zwei Jahrzehnte auf der Stelle. In den letzten Jahren sind die Preise hierfür, besonders in den Ballungszentren, deutlich angestiegen. Die Zuwanderung und die höhere Geburtenrate verstärken die Wohnraumnachfrage. Dies geht einher mit einer Welle der Verstädterung und einer nur langsam in Fahrt kommenden Bautätigkeit. Die niedrigen Zinsen befördern zwar die Nachfrage nach Eigenheimen, es zeichnen sich aber personelle Engpässe bei der Planung und Controlling sowie ausgelastete Kapazitäten in der Bauindustrie ab.

Die insgesamt positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen die Unternehmensgewinne ansteigen. Folglich fließen erhebliche zusätzliche Anlagemittel an die Aktienmärkte. Dieser Trend wird durch die mangelnde Attraktivität anderer Anlageformen, besonders von Zinsträgern, untermauert, so dass der Euro-Stoxx 50 Aktienindex im Berichtsjahr 2017 um 6,5 % (Vorjahr + 0,7 %) zulegte.

Sicherheitsorientierte Kapitalanlagepolitik

Das tradierte Geschäftsmodell sämtlicher Altersversorger und Lebensversicherer basiert auf festen auskömmlichen Kapitalmarktzinsen. Durch die Niedrig-, Null- bzw. Negativzinsphase sind diese quasi abgeschafft, so dass der Unternehmenszweck der AHV, die ihr anvertrauten Kapitalien sicher und rentabel an den Anlagemärkten zu investieren, noch schwieriger zu erreichen ist. Zusätzlich gilt es, eine noch weitergehende Regulatorik umzusetzen. Diese Rahmenbedingungen kann die AHV nicht selbst beeinflussen.

Durch die breite Mischung und Streuung (Verteilung der Kapitalanlagen auf verschiedene Anlageformen und verschiedene Schuldner) verfügt die AHV über ein ausgewogenes Anlageportfolio. Bei sämtlichen neu zu disponierenden Kapitalanlagen werden neben den Aspekten der Sicherheit und der Rentabilität, auch eine sinnvolle Einbindung dieser Anlage in die Liquiditätssteuerung der AHV berücksichtigt. Ethische, soziale und ökologische Belange finden bei der Verwendung der eingezahlten Beiträge Beachtung, stehen aber hinter den Zielen der Sicherheit und Rentabilität.

Insgesamt erreicht die AHV eine gute, nachhaltig auskömmliche Rendite. Der Schwerpunkt liegt bei den zinstragenden Anlageformen (Wertpapiere, Namenspapiere und Schuldscheine), deren Anteil an den gesamten Kapitalanlagen rund 78 % beträgt. Die wesentliche Veränderung innerhalb des Portfolios ergibt sich aus der Umschichtung von zinstragenden Kapitalmarktinvestments hin zu Immobilienanlagen. Deren Anteil wurde im Berichtsjahr auf 16,2 % (Vorjahr 14,6 %) erhöht.

Zum 31.12.2017 erreichte der Kapitalanlagebestand ein Volumen in Höhe von 992,7 Mio. €

Die AHV verfügt über ein langjährig erprobtes Asset-Liability-Management. Im Rahmen dieses Prozesses werden sämtliche Liquiditätsströme gesteuert und fließen in ein dreigeteiltes Planungskonzept ein. Dieses gliedert sich in eine kurz-, mittel- und langfristige Hochrechnung. Die Kurzfristplanung betrachtet jeweils einen Jahreshorizont, die mittelfristige Planungsrechnung ist auf einen fünfjährigen Zeitraum ausgelegt und die langfristige Planungsrechnung umfasst mehrere Jahrzehnte. Hierdurch erreichte die AHV die Ausfinanzierung ihrer langfristigen Rentenzahlungsverpflichtungen.

Umschichtungen innerhalb des Portfolios ergeben sich aufgrund von Kapitaltilgungen durch die Schuldner oder im Rahmen der laufenden Überwachung sämtlicher Anlagen. Neuinvestitionen sollen sich in Art, Laufzeit und Schuldnerbonität in das Gesamtportfolio einfügen und dessen Struktur optimieren.

Der addierte Buchwert der Wertpapierfonds und Aktien beläuft sich wie im Vorjahr auf 68,8 Mio. €. Der Marktwert liegt über dem Buchwert. Die beiden Individualfonds verfolgen eine sicherheits-orientierte Anlagestrategie am Aktienmarkt, die sich bereits mehrfach bewährte. Mit Ausnahme einer Gattung werden sämtliche Aktienengagements über diese Fonds gehalten. So stellt die AHV sicher, dass ihr stringentes Risikomanagement konsequent umgesetzt wird.

Zinsen bilden wesentliche Ergebnisquelle

Die Ergebnisse aus den Zinsträgern sind unverändert die wesentliche Ergebnisquelle. Neben den vereinnahmten Zinsen in Höhe von 30,6 Mio. € konnten Kurs- und Abgangsgewinne in Höhe von insgesamt 1,4 Mio. € realisiert werden.

Das in den letzten Jahren ausgeweitete Engagement der AHV in Immobilieninvestments führt zu entsprechend steigenden Ergebnisbeiträgen, die im Berichtsjahr in Höhe von 7,1 Mio. € zu buchen waren. Erstmals vereinnahmt die AHV Erbpachtzinsen aus dem Ende 2016 erworbenen Grundbesitz in Ratingen. Aufgrund der leicht angestiegenen Inflationsrate konnten die Einnahmen aus den Grundstücken mit Erbbaurecht erhöht werden. Darüber hinaus hat sich die Vermietungssituation in den Gebäuden weiter verbessert. Letztlich trugen noch die Ausschüttungen und Abgangsgewinne der Immobilienfonds bzw. der Investmentfonds-KG zum Ergebnis bei.

Das Resultat aus den Wertpapierspezialfonds liegt deutlich über dem Vorjahr. Hier konnte die AHV einen erfreulichen Ergebnisbeitrag in Höhe von rund 2,0 Mio. € buchen.

Die Nettoverzinsung, ermittelt aus dem gesamten Kapitalanlageertrag, bezogen auf das zu verzinsende mittlere Deckungskapital, beträgt

3,99%.

Die Gesamtverzinsung 2017 im Geschäftsbereich AHV-Direkt (Rechnungszins + in 2017 erfolgte Überschussbeteiligung) betrug für alle Tarifgenerationen einheitlich 3,30%. Die Überschussbeteiligung wurde satzungsmäßig zu Leistungserhöhungen verwendet.

Die AHV hebt sich im Vergleich zu anderen Anbietern durch eine ausgeprägte Kosteneffizienz hervor. Es werden weder Provisionen noch Vermittlungsgebühren gezahlt. Die Geschäftsergebnisse der AHV werden ausschließlich zum Wohle der Versichertengemeinschaft verwendet.

Gesetzliche und aufsichtsrechtliche Entwicklung

Der Gesetzgeber und die Finanzaufsicht haben eine Reihe von neuen Richtlinien und Regularien vorgegeben, die in die betrieblichen Abläufe zu implementieren sind. Erneut zeigen die Regelwerke, denen Finanzmarktakteure und Versorgungsträger unterliegen, eine erhebliche Dynamik in Bezug auf Anzahl und Umfang der neuen Regelungen. Die nationalen Vorgaben werden zusätzlich durch die Richtlinien und Verordnungen der europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA deutlich verschärft. Die erhöhten Berichtspflichten, Transparenzvorgaben und Governance dienen dazu, ein hohes Maß an Informationen, Schutz und Sicherheit zu gewährleisten, bedeuten jedoch zunächst einmal mehr Aufwand für die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung.

Die gesetzlich vorgegebene Reduzierung des Höchstrechnungszinses zum 01.01.2017 von 1,25 % auf 0,90 % verpflichtete auch die AHV, zu reagieren. Sie führte zum Jahresbeginn 2017 die Tarife "Rückdeckungsversicherung 17" sowie "Direkt 17" und "Dynamik 17“ ein. Die beiden Letztgenannten gelten für die Durchführung der Entgeltumwandlung im Bereich AHV-Direkt und Rückdeckung der Verpflichtungen der Unterstützungskasse. Die neuen Tarife basieren auf dem aktuellen gesetzlichen Rechnungszins in Höhe von 0,90 %.

Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz zeichnet sich eine Abkehr von lang laufenden Garantieversprechen ab. Der Gesetzgeber schafft hier die Möglichkeit, Arbeitgeber durch reine Beitragszusagen, zumindest perspektivisch, von Haftungsrisiken zu entlasten. Somit ergeben sich Chancen, die betriebliche Altersversorgung auszubauen und somit die so genannte „Zweite Säule“ der Altersabsicherung zu stärken. Die Nutzung der ausgeweiteten und verbesserten Förderungs-möglichkeiten erleichtert Arbeitgebern und auch Arbeitnehmern, ihr jeweiliges Engagement auszubauen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist dies auch dringend geboten.

Zur Sicherstellung der dauernden Erfüllbarkeit der eingegangenen Verpflichtungen stellt der Gesetzgeber Mindestanforderungen an die Solvabilität der Versicherungsunternehmen. Dazu müssen freie und unbelastete Eigenmittel mindestens in Höhe der Solvabilitätsspanne vorgehalten werden.

Die aufsichtsrechtliche Eigenmittelanforderung wird deutlich erfüllt.

Die AHV untersteht der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba) sowie des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

Die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung werden in der TÜV Familie genutzt

Das Geschäftsmodell und der Erfolg der AHV basieren in hohem Maße auf dem Vertrauen, welches die Trägerunternehmen und deren Belegschaften ihr entgegenbringen. Dies ist Verpflichtung und Ansporn zugleich, das gewährte Vertrauen durch die gesamte Geschäftstätigkeit in allen Bereichen zu rechtfertigen.

Die AHV betreut 92 Mitgliedsunternehmen. Von diesen Gesellschaften haben nahezu alle Gesellschaften ihrer Belegschaft die Chance eröffnet, die durch die AHV angebotenen Möglichkeiten zur betrieblichen Altersversorgung zu nutzen.

Die Anzahl der Versorgungsberechtigten erhöhte sich im Geschäftsjahr insgesamt um 1,1 % bzw. um 163 Personen auf 14.728 versicherte Personen.

Im Bereich AHV-Rück übertrifft die Zahl der Rentenempfänger seit geraumer Zeit die der Anwärter.  Die betrieblichen Versorgungswerke, welche hier rückgedeckt werden, wurden vor Jahren weitgehend geschlossen. Die AHV befindet sich in diesem Bereich in der Erfüllungsphase. Der Anstieg der Rentenbezieher entwickelt sich planmäßig und folgt dem biologischen Alterungsprozess.

Der Geschäftsbereich AHV-Direkt setzt seinen positiven Wachstumstrend fort, unterstützt durch die hier vorgenommenen Rückdeckungen der AHU. Mit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um rund 8 % erreicht das laufende Prämienaufkommen 5,6 Mio. €. Die Beiträge aus der Überschussbeteiligung belaufen sich nunmehr auf 0,2 Mio. €.  Im Berichtsjahr erhöhte sich die Zahl der versicherten Anwärter um 7,8 % auf 3.655 Personen.

Die Prämienerträge erreichten im Geschäftsjahr insgesamt ein Volumen von rd. 27 Mio. €. Sie sind ein erneuter Beweis für das Vertrauen der Mitgliedsunternehmen und der Versichertengemeinschaft in ihre AHV und deren langfristig solide Geschäftspolitik.

Dem natürlichen Alterungsprozess bei den versicherten Personen folgt ein entsprechender Anstieg der Rentenleistungen und ein hiermit korrelierender Verzehr des Deckungskapitals. Im personenstarken Rentnerbestand der AHV-Rück erhöhten sich die Rentenleistungen um 1,2 % (Vorjahr + 1,9 %) auf 54,9 Mio. €.

Im Bereich der AHV-Direkt stiegen die Rentenzahlungen um 65 T€. Einige Neurentner nutzten die Tarifoption einer vollständigen oder einer teilweisen Kapitalauszahlung ihres angesparten Deckungskapitals. In Summe belaufen sich die Leistungen der AHV im Geschäftsbereich AHV-Direkt auf 657 T€ (Vorjahr 440 T€). Mio. €.

Die gesamte Deckungsrückstellung zum 31.12.2017 beträgt 943,7 Mio. €. Der mittlere Rechnungszins des Gesamtbestandes stellt sich zum Stichtag auf 3,14 %.

Im Geschäftsjahr hat die AHV eine weitere Stärkung der Deckungskapitalrückstellung durch den Ausbau der Zinszusatzreserve vorgenommen. Im deregulierten Bestand (Versicherungen seit 2006) wurde in den Tarifen mit den Rechnungszinssätzen 2,75 % und 2,25 % eine Erhöhung der Reserve in Höhe von rund 0,7 Mio. € zugeführt.