AHV Geschäftsverlauf 2016

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Kapitalanleger, wie die AHV, standen auch 2016 vor großen Herausforderungen.

Die Aktienmärkte begannen das Jahr 2016 mit einem historisch noch nicht beobachteten Kursverfall. Wenige Wochen nach Jahresbeginn zeigten die Aktienindices einen Kursrückgang von knapp 20 %. Auch das im Jahresverlauf erstmals zu verzeichnende Negativzinsniveau mit einer Minusrendite von 0,2 % für Bundesanleihen mit 10-Jahreslaufzeit dürfte in die Finanzgeschichtsbücher eingehen.

In den vergangenen Jahren dominierte an den Finanzmärkten vornehmlich die generöse Geldpolitik großer Industrieländer. Zunehmend wachsen aber Zweifel an der Effektivität monetärer Maßnahmen. Außerdem wächst die Sorge über die ungünstigen Nebeneffekte der quantitativen Lockerung und der extrem niedrigen Zinsen. Die Negativzinsen der EZB sind für die Profitabilität von Finanzinstituten und die Stabilität von Versicherungen schädlich.

Renommierte Ökonomen und internationale Instanzen wie der IWF und die BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) zeigen sich daher zunehmend besorgt. Selbst Vertreter der Zentralbanken haben die Wirksamkeit ihrer monetären Maßnahmen öffentlich in Frage gestellt und ihre jeweilige Regierung aufgefordert, die Wirtschaft mit mehr fiskalischen Anreizen zu stimulieren.

Im Rahmen ihres Kaufprogrammes erwirbt die EZB neben Staatsanleihen und Pfandbriefen inzwischen auch europäische Unternehmensanleihen. Dadurch werden die Anlageoptionen für Kapitalsammelstellen noch weiter eingeengt.

Einige Notenbanken verlagerten ihre Aufmerksamkeit auf die Steilheit der Renditekurve. Eine steilere Zinskurve bedeutet, man strebt eine größere Differenz zwischen den kurz- und den langfristigen Zinsen an. Dies erlaubt Banken mittels Fristentransformation, eine höhere Zinsmarge zu verdienen.  So sollte das Geschäftsmodell „Bank“ wieder besser funktionieren.

Nach Herrn Trumps Wahlsieg haben Anleger umgehend bedeutend höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen antizipiert. Die Aktienkurse wurden geradezu von einer euphorischen Stimmung getrieben. Das führte weltweit zu einer Umschichtung von Anlagegeldern aus Staatsanleihen in Aktien und andere riskantere Assets.

Europäische Aktien wurden von der Erwartung mitgezogen, dass sich ein Aufschwung der US-Wirtschaft positiv auch auf den Rest der Welt auswirken werde.

Investoren haben Abwärtsrisiken (besonders politischer Art) nur in geringem Maße einkalkuliert. Diese könnten jedoch eine erhebliche Kurskorrektur auslösen. Trumps Plan, die Steuern zu senken, richtet sich bislang vornehmlich an Unternehmen und die Oberschicht der US-Bürger. Diese sind nicht unbedingt treibende Kräfte der Konsumnachfrage. Daneben sind Trumps angekündigte protektionistische Handelspolitik, Wahlen mit Aufstieg populistischer Parteien in diversen Euro-Ländern und die Brexit-Verhandlungen allesamt politische Unsicherheitsfaktoren, die die Finanzmärkte in große Unruhe versetzen können. In Europa können negative politische Entwicklungen die großzügige Geldpolitik überschatten.

An den Märkten gibt es gleichwohl "Aufwärtsrisiken", die aufgrund einer gemeinhin stärkeren Betonung der politischen Risiken, vielfach ignoriert werden. Wenn den politisch und ökonomisch Verantwortlichen ein Übergang von weniger geldpolitischen und mehr fiskalpolitischen Maßnahmen bei bleibend moderater Inflationsentwicklung friktionslos zu gestalten gelingt, ergeben sich solche Aufwärtsrisiken.

Sicherheitsorientierte Kapitalanlagepolitik

In der fortdauernden Niedrigzinsphase ist das Ziel der AHV, die ihr anvertrauten Anlagemittel sicher und rentabel an die Kapitalmärkte zu transferieren, erheblich anspruchsvoller als in der Vergangenheit. Parallel gilt es, eine immer tiefer gehende Regulatorik zu beachten. Die AHV kann diese Rahmenbedingungen nicht beeinflussen. Sie sucht daher ihre langfristige sicherheitsorientierte Anlagepolitik zum Wohle ihrer Versichertengemeinschaft fortzuführen.

Zum 31.12.2016 erreichte der Kapitalanlagebestand ein Volumen in Höhe von 986,8 Mio. €, die Bilanzsumme durchbrach mit 1.000,3 Mill. Euro erstmals die Milliardenschwelle.

Die Kapitalanlagepolitik der AHV beachtet eine angemessene Mischung und Streuung. Dies dient auch der Risikodiversifizierung. Der Schwerpunkt liegt bei den zinstragenden Anlageformen (Wertpapiere, Namenspapiere und Schuldscheine), deren Anteil an den gesamten Kapitalanlagen rund 81 % beträgt. Der Immobilienbestand ist weiter gewachsen.

Kapitalanlagebestand zum 31.12.2016 in Mio. Euro

Zinstragende Anlagen werden von der AHV nach den Kriterien des Asset-Liability-Managements gesteuert. Hierdurch erreichte die AHV die Ausfinanzierung ihrer langfristigen Rentenzahlungsverpflichtungen.

Umschichtungen innerhalb des Portfolios ergeben sich aufgrund von Kapitaltilgungen durch die Schuldner oder im Rahmen der laufenden Überwachung sämtlicher Anlagen. Neuinvestitionen sollen sich in Art, Laufzeit und Schuldnerbonität in das Gesamtportfolio einfügen und dessen Struktur optimieren.

Der Buchwert der Wertpapierspezialfonds zum Bilanzstichtag beläuft sich wie im Vorjahr auf 56,7 Mio. €. Der Marktwert liegt über dem Buchwert. Diese Individualfonds verfolgen eine sicherheitsorientierte Anlagestrategie. Diese bewährte sich im Jahresverlauf 2016 mehrfach. Sämtliche Aktienengagements werden ausschließlich über Fonds gehalten. So stellt die AHV sicher, dass ihr stringentes Risikomanagement konsequent umgesetzt wird. Die Aktienquote der AHV hat sich im Berichtsjahr moderat erhöht.

Zinsen bilden wesentliche Ergebnisquelle

Die Zinserträge bilden die wesentliche Ergebnisquelle eines Altersversorgers wie die AHV. Diese Ertragsposition gerät durch die absoluten Niedrigzinsen natürlicherweise unter erheblichen Druck. Aus ihrem Kernportfolio vereinnahmte die AHV dennoch Zinsen in Höhe von 31,4 Mio. €. Neben dem allgemeinen Zinsniveau ist auch die Umschichtung aus Anleihen in Immobilienanlagen Ursache für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Im Gegenzug stiegen die Einnahmen aus Mieten und Erbpachten entsprechend an.

Die Nettoverzinsung, ermittelt aus dem gesamten Kapitalanlageertrag, bezogen auf das zu verzinsende mittlere Deckungskapital, beträgt

3,99%.

Die Gesamtverzinsung 2016 im Geschäftsbereich AHV-Direkt (Rechnungszins + in 2016 erfolgte Überschussbeteiligung) betrug für alle Tarifgenerationen einheitlich 3,67%. Die Überschussbeteiligung wurde satzungsmäßig zu Leistungserhöhungen verwendet.

Die AHV hebt sich im Vergleich zu anderen Anbietern durch eine ausgeprägte Kosteneffizienz hervor. Es werden weder Provisionen noch Vermittlungsgebühren gezahlt. Die Geschäftsergebnisse der AHV werden ausschließlich zum Wohle der Versichertengemeinschaft verwendet.

Gesetzliche und aufsichtsrechtliche Entwicklung

Der Gesetzgeber und die Finanzaufsicht haben in 2016 eine Reihe von neuen Richtlinien und Regularien vorgegeben, die in die betrieblichen Abläufe zu implementieren waren. Erneut zeigten die  Regelwerke, denen Finanzmarktakteure und Versorgungsträger unterliegen, eine erhebliche Dynamik in Bezug auf Anzahl und Umfang der neuen Regelungen.

Die gesetzlich vorgegebene Reduzierung des Höchstrechnungszinses zum 01.01.2017 von 1,25 % auf 0,9 % verpflichtete auch die AHV, zu reagieren. Sie führte zum Jahresbeginn 2017 die Tarife "Rückdeckungsversicherung 17" sowie "Direkt 17" und "Dynamik 17“ ein.

Die beiden Letztgenannten gelten für die Durchführung der Entgeltumwandlung im Bereich AHV-Direkt. Die neuen Tarife basieren auf dem aktuellen gesetzlichen Rechnungszins in Höhe von 0,9 %.

Zur Sicherstellung der dauernden Erfüllbarkeit der eingegangenen Verpflichtungen stellt der Gesetzgeber Mindestanforderungen an die Solvabilität der Versicherungsunternehmen. Dazu müssen freie und unbelastete Eigenmittel mindestens in Höhe der Solvabilitätsspanne vorgehalten werden.

Die aufsichtsrechtliche Eigenmittelanforderung wird deutlich erfüllt.

Die AHV untersteht der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung e.V. (aba) sowie des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

Die Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung werden in der TÜV Familie genutzt

Das Geschäftsmodell und der Erfolg der AHV basieren in hohem Maße auf dem Vertrauen, welches die Trägerunternehmen und deren Belegschaften ihr entgegenbringen. Dies ist Verpflichtung und Ansporn zugleich, das gewährte Vertrauen durch die gesamte Geschäftstätigkeit in allen Bereichen zu rechtfertigen.

Die AHV betreut 93 Mitgliedsunternehmen. Von diesen Gesellschaften haben nahezu alle Gesellschaften ihrer Belegschaft die Chance eröffnet, die durch die AHV angebotenen Möglichkeiten zur betrieblichen Altersversorgung zu nutzen.

Die Anzahl der Versorgungsberechtigten erhöhte sich im Geschäftsjahr insgesamt um 1,6 % bzw. um 230 Personen auf 14.565 versicherte Personen.

Der Geschäftsbereich AHV-Direkt setzt sein langjähriges Wachstum fort und führt seit Gründung im Jahr 2002  zur Erhöhung des Versichertenbestandes. Im Geschäftsjahr stieg die Anzahl der Anwärter um über 10 % auf 3.389 Personen und erreichte bereits über die Hälfte sämtlicher Anwärter der AHV.

Auch wird der positive Trend durch die hier vorgenommenen Rückdeckungen der AHU-Unterstützungskasse unterstützt.

Mit einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um rund 9 % erreicht das laufende Prämienaufkommen 5,2 Mio. €. Die Beiträge aus der Überschussbeteiligung spiegeln die sinkenden Kapitalerträge wider und reduzieren sich auf 0,4 Mio. €, was einer Gesamtverzinsung in Höhe von 3,67 % entspricht.

Die der AHV anvertrauten Prämienbeiträge in Höhe von insgesamt rund 35 Mio. € sind wieder ein Beleg für das Vertrauen der Versichertengemeinschaft in ihre AHV und deren langfristig solide Geschäftspolitik.

Der natürliche Alterungsprozess bei den versicherten Personen führt zu einem fortgesetzten Anstieg der Rentenleistungen mit entsprechendem Verzehr des Deckungskapitals. Diese erhöhen sich in dem personenstarken Rentnerbestand der AHV-Rück um 1,9 % (Vorjahr + 2,2 %) auf 54,3 Mio. €.